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Der erste Vorsitzende

Jörg-Olaf Wolff

Seit dem Jahr 2006 bin ich der 1. Vorsitzende der DGM. Eine Aufgabe, die ich bisher mit großer Freude ausgeübt habe. Diese Aufgabe gab und gibt mir Gelegenheit alte Freunde wieder zu treffen und neue Menschen kennen zu lernen, die mit mir das Interesse und den Spaß an der Erforschung der Ozeane teilen.

Ein paar Daten meines Lebens: Geboren 1959. Abitur 1977. Wehrpflicht bis 1978. Studium der physikalischen Ozeanographie an der Universität Hamburg. Diplom-Ozeanograph 1986. 1986-1990 Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Meteorologie (Hamburg) für den Sonderforschungsbereich 318 „Klima-relevante Prozesse im System Ozean-Atmosphäre-Kryosphäre“. Promotion 1990 im Fachbereich Geowissenschaften der Universität Hamburg. 1991-1992 Post-Doc am MPI für Meteorologie. 1993-1999 Senior Research Scientist am Co-operative Research Centre for the Antarctic and Southern Ocean Environment (Antarctic CRC) in Hobart, Australien. Im Mai 1999 bin ich auf den Lehrstuhl für „Physikalische Ozeanographie (Theorie)“ im Fachbereich Physik der Carl-von-Ossietzky Universität von Oldenburg berufen worden und arbeite seitdem am dortigen Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM). Seit dem Jahr 2000 bin ich auch tätig als Chief-Editor für das Springer-Journal „Ocean Dynamics“. Im Wintersemester 2004/2005 habe ich ein Forschungssemester in Australien absolviert.

Ich bin ein sogenannter Modellierer oder wenn man es nicht ganz so abwertend ausdrücken will, ein Theoretiker. Das heißt nicht, das ich nicht schon einmal eine CTD über Bord geworfen oder XBTs verschossen hätte, aber es ist schon so, das ich am liebsten mit Sachen arbeite, die so ähnlich aussehen wie Ax=b.

Mein wissenschaftliches Interesse lag lange Zeit in der Erforschung des globalen Klimasystems und den natürlichen Wechselwirkungen der bedeutenden Untersysteme, Atmosphäre, Ozean und Kryosphäre, unter besonderer Berücksichtigung der Dynamik und Thermodynamik des Südlichen Ozeans. Die Modellierung der Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Klimakomponenten in höheren Breiten ist erschwert durch die kleinen inhärenten Skalen und die komplizierte Physik der Wechselwirkungen zwischen Ozean und Atmosphäre in teilweise eisbedeckten Gebieten. Die Aufgaben am ICBM in Oldenburg haben zu einer Verlagerung meiner Forschungsschwerpunkte in Richtung Küsten- und Flachmeerforschung geführt und zu einer Auseinandersetzung mit interessanten bio-geochemischen Fragestellungen.

Für die internationale und damit auch die deutsche Meeresforschung wird es in der nahen Zukunft immer wichtiger werden, ihre Bedeutung im Rahmen der Gesellschaft positiv darzustellen und ihre nachhaltige Förderung in den Vorstellungen der Menschen als gesellschaftsrelevant zu zementieren. Ich habe 6 Jahre in einem Land verbracht, in dem die Menschen wußten, was ihre Wissenschaftler machen, weil oft genug in den Medien ausführlich darüber berichtet wurde. Es war eine Freude zu erleben, wie Erfolge der australischen Kollegen mit Stolz und mit großer Begeisterung von der gesamten Bevölkerung gefeiert und gewürdigt wurden. Ähnliche Aufmerksamkeit genießen dort nur noch die Helden des Sports. Die Erforschung des Unbekannten hat für alle Menschen eine Faszination und der Meeresforschung fällt da eine besondere Rolle zu. 70 Prozent des Planeten sind mit Wasser bedeckt und wenn man es mal ehrlich zugibt, dann haben wir in den letzten 1000 Jahren nicht viel davon entdeckt. Wir kennen nicht mal 10 Prozent der Lebewesen im Ozean, geschweige denn deren ökologische Bedeutung für den Rest des Systems, aber wir benutzen die Ozeane in willkürlicher Weise und hoffen, daß unser Tun schon keine langfristigen negativen Folgen haben wird. Die Probleme und Fragen die sich in diesem Zusammenhang stellen sind natürlich nicht nationaler Art und wer lange genug in der Meeresforschung aktiv war, weiß das die internationale Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen aus den verschiedensten Ländern der Erde aus uns wahre Erdenbürger gemacht hat. Nationale Interessen und kurzfristige wirtschaftliche Vorteile haben keinen Platz mehr auf diesem Globus, wenn es darum geht die Erde auch für das nächste Jahrtausend in einem Zustand zu erhalten, der es den nachfolgenden Generationen ermöglicht nicht nur zu überleben, sondern auch mit Freude und Spannung einen funktionierenden Planeten zu erleben.  

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